Donnerstag, 25. August 2011

...

Hat niemand ein Pferd
in der Tasche
dass er mir’s liehe
jetzt ist die Zeit
dass man fliegend
das Eine erjagt
fliegend und flüsternd

ich hob über Wolken das Wort
verkrallt in die Mähne
die wächst
flimmernde Härchen aus Licht
über atemschwerer Luft
geteert und entfedert
fällt sie zur Erde

Stein gewordene Worte
zum Gedenken
gehäuft in der Wüste
nicht nur ehedem
menschlicher Städte
ihr Flüstern trägt weit
die grünen Ohren gespitzt
gewärtigt sie ständig das Gras


24.12.2010

Samstag, 20. August 2011

An Sterbebetten

Abgesaugt
der Schwerkraft entgegen
jene flimmernden Partikel
in den ersten Sekunden
des Todes
heilig ferner Zug des Atems
als Hochamt
aufgehoben das Dasein
in welches größere Sein
entzieht sich dem Wissen
der Kokon jedenfalls
ist leer



20.8.2011

Mittwoch, 17. August 2011

Rila-Kloster*

Wir wallfahrten aufwärts
stets himmelan ins Rilagebirge
im letzten noch irdischen Winkel
an einem tosenden Bach
hinter hohen Mauern das Kleinod
überfließend bemalte Wehrarchitektur
grazil die sie umgebenden Galerien
mit den Zellen und Klosterräumen
im schummrigen Innersten Weihrauchdunst
viel Edelmetall farbige Fresken
Heiligenbilder bunt bei bunt
vor den Altären flackernde Kerzen
auf dreistufigen Kaskaden aufgepfropft
für die Lebenden zuoberst
für die Kranken
zuunterst für die Toten
auch vor dem obligaten Reliquienschrein
ein Stückchen Rippe ein Fingernagel ein Haar
ein Tropfen Blut irgendeines Heiligen
Verbeugen der Gläubigen
die Mönche blass gelbe Gesichter sind die Stars
Protagonisten auf ihrer imaginären Bühne
vor und hinter der monumentalen Ikonostase
mehrstimmig gesungenes Mysterienspiel
in den angrenzenden Wäldern grunzt der Bär
am Abend –
andachtsvoll trinken wir eine Flasche Melnik-Wein
schlafen in kärglicher Unterkunft
fliehen in der Morgenfrühe
zurück in die heiteren Niederungen der Menschen



*Orthodoxes Nationalheiligtum der Bulgaren,
Weltkulturerbe.


11-9-2010

Freitag, 12. August 2011

...

Wenn du traurig bist
hast du etwas verloren
sei traurig
dann weißt du – was


11-10-2009

Donnerstag, 11. August 2011

Bulgarisches Schwarzmeer

Ein Zinnteller für die Tafel der Götter
umgeben vom Gold den Früchten des Landes
unterm Wegwartenblau des Himmels brodelndem Gewölk
dieses Meer

Proteus schläft seit tausenden von Jahren
seinen Rausch aus
den Winden hat er verboten
über ihn hinweg zu gehen
rundum einen hohen Schild aus Muscheln errichtet

so ruht er sanft träumt von Nereiden
und vergangenen Zeiten voller Tollheit
ideenreich wetteifernd mit den Wolken
Tage und Nächte
ein immerwährendes Werben

das Gekitzel der Fische
der Badegäste an den Sommerstränden
die Nadelstiche der Schiffe
entwerfen seine Träume neu


23-06-2010

Freitag, 15. Juli 2011

...

Urlaubsbedingte Pause bis 8.8.2011

Sommertag

Der Sommer war noch nicht
ganz zum Stillstand gekommen
ein paar Nachblüten
hier und dort
Disteln und Mohn
am Rand der Sonnenblumenfelder
unterm hohen Blau
mit seinen Wolkenschiffen
saßen wir
Tango lento tanzende Schatten
tranken Wein
trocken und kühl
aus schwitzenden Gläsern
was soll man sagen
alles in allem
ein Sommertag


4.8.2009

Lankenauer Höft

Unterm Sonnenschirm Gerüche
Kuchen Kaffee und ganz frisch gezapftes
Bier und im Hafenwasser durch ein
Zierspalier mit knallgelben kleinen Äpfeln
spiegelt sich die schräge Sonne
Schlote Kargotürme Kräne
Möwen Enten Blesshuhn Schwäne
und ein Kormoran

Auf der kleinen wilden Insel
unverhofft mediterran
Ziegenböcke
ringsum wechselndes Gewölk
grünes unten weißes oben
vor Seehausen über Klöckner
eine schwarze Wolke

Parallel zur Spundwand auf der
aufgereiht die Möwen sitzen
hinterm Pappelparavent
ragt an ihrem Startgerüst perlenweiß
die Ariane

Zwischen roten Bojen
macht ein RoRo-Frachter
kriechend Fahrt stoppt
und fährt ganz langsam Karussell
um genau einhundertachtzig Grad

Und im angesonnten Wendebecken
längs der Insel mit den Ziegenböcken
drehen sich im Hintergrund jetzt
Windkrafträder spiegeln sich noch immer
Schlote Kargotürme Kräne
Möwen Enten Blesshuhn Schwäne
und ein Kormoran


18.9.2006



Dieser Mitschnitt wurde am 10. Oktober 2008 von Hella Streicher erstellt. Den Ort und die chaotischen Begleitumstände der Lesung schilderte sie einen Tag später in ihrem Blog.

Donnerstag, 14. Juli 2011

A1

Der nervige Sound
tags und nachts
ganzjährig
weht er herüber
von der Autobahn
unüberhörbar
bei südwestlichen Winden

musikalisch geadelt
wär er
gewöhnungsbedürftig
für Kenner der Szene
ein Ohrenschmaus
aber so

die verwischten Akkorde
Kampf der Synkopen
singende Laute in höchsten
Stimmlagen dröhnende
Bässe überraschende
Klangbilder immer wieder

unmöglich danach
zu tanzen anders
das ganzjährige
Lied der Wildtaube
es nervt reizt
ihn zu kreieren den
Taubentanz

• – – • •
• – – • •
• – – • •



12.9.2005

Dienstag, 12. Juli 2011

Schneckenjad

In den Werbepausen
geh ich auf Schneckenjagd
ihren Vorlieben und Verstecken
spüre ich nach sie entgehen mir nicht

Ich stelle keine Fallen
ich streue kein Gift
ich töte sie nicht
ich werf sie über die Mauer

Sie bekommen ihre Chance
die Nacht ist feucht und lang
die Straße die sie überqueren müssen
nur mäßig befahren

Wenn sie Glück haben
erreichen sie Nachbars Garten


9.6.2007


Guck mal
was ich
gemacht habe
sagt das Kind
und zeigt sein Töpfchen

Schau mal
was ich
gemacht habe
sagt der Poet
und zeigt sein Gedicht

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Zuletzt aktualisiert: 22. Mär, 08:43

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